Wann braucht mein Kind die ersten Schuhe?
Kurz gesagtErst dann, wenn dein Kind mehrere Schritte frei läuft und draußen unterwegs sein will. Bis dahin ist barfuß oder auf Socken die beste Schule für die Füße.
Zum Laufenlernen braucht dein Kind keine Schuhe. Beim Barfußlaufen arbeitet die Fußmuskulatur, und dein Kind spürt, wie sich Teppich, Gras oder Sand anfühlen. Das ist Training, das kein Schuh ersetzen kann. Zu Hause darf es deshalb so viel barfuß sein, wie es möchte.
Schuhe sind vor allem Schutz. Sobald dein Kind sicher ein paar Schritte allein schafft und draußen auf eigenen Beinen los will, wird es Zeit dafür. Auf Gehwegen, Spielplätzen und Waldwegen liegen Steinchen, Scherben und Äste, und bei Nässe und Kälte braucht der Fuß ohnehin eine Hülle.
Ein Lauflernschuh ist ein leichter Schuh mit dünner, sehr biegsamer Sohle für die ersten Wochen auf eigenen Füßen. Er soll so wenig wie möglich stören: Die Sohle lässt sich leicht knicken, vorne ist genug Platz, und der Schuh ist nicht schwer. Steife, dicke Sohlen sind für Laufanfänger das Gegenteil von hilfreich.
- Drinnen barfuß oder auf rutschfesten Socken laufen lassen.
- Erste Schuhe erst kaufen, wenn dein Kind frei läuft.
- Sohle in der Hand testen: Sie muss sich vorne leicht biegen lassen.
- Lieber leicht und schlicht als schwer und gepolstert.
Woran erkenne ich einen guten Kinderschuh?
Kurz gesagtEin guter Kinderschuh passt in Länge und Weite, lässt den Zehen Platz und hat eine biegsame Sohle. Wie er aussieht, kommt erst danach.
Die Länge ist nur die halbe Wahrheit. Kinderfüße sind unterschiedlich schmal oder kräftig, und ein Schuh muss den Fuß in der Breite sanft umschließen. Ist er zu weit, rutscht der Fuß bei jedem Schritt nach vorne. Ist er zu eng, drückt er seitlich auf die Zehen.
Schau dir die Form vorne an. Die Spitze sollte der Form eines Kinderfußes folgen, also breit und rund sein. Läuft ein Schuh spitz zu, haben die Zehen keinen Platz, sich auszubreiten.
Die Sohle muss mitgehen. Nimm den Schuh in die Hand und biege ihn im vorderen Drittel: Er sollte dort nachgeben, wo auch der Fuß beim Abrollen knickt. Für draußen ist eine rutschfeste Sohle wichtig.
Beim Verschluss sind Klett und Schnürung im Vorteil, weil du beide an den Fuß anpassen kannst. Klett ist für kleine Kinder oft praktischer, sie kommen allein hinein und hinaus. Beim Material zählt, dass Luft an den Fuß kommt. Kinderfüße schwitzen beim Toben viel, und in dichten Schuhen bleibt die Feuchtigkeit drin.
- Passt die Weite? Der Fuß darf nicht rutschen und nicht gequetscht werden.
- Ist die Schuhspitze breit und rund?
- Biegt sich die Sohle im vorderen Drittel?
- Lässt sich der Verschluss fester und lockerer stellen?
- Ist das Obermaterial luftdurchlässig?
Wie viel Platz braucht der Fuß im Schuh?
Kurz gesagtEin neuer Kinderschuh sollte innen etwa 9 bis 15 mm länger sein als der Fuß, je nach Größe. Das Deutsche Schuhinstitut empfiehlt genau diese Spanne.
Die Längenzugabe ist der Raum zwischen den längsten Zehen und der Schuhspitze innen. Der Fuß braucht ihn, weil er beim Gehen nach vorne rollt und dabei ein Stück länger wird. Außerdem steckt darin ein kleiner Vorrat zum Hineinwachsen.
Für kleine Füße reichen etwa 9 mm, bei größeren Füßen dürfen es bis zu 15 mm sein. Das Elternportal kindergesundheit-info.de nennt mindestens 12 mm als Richtwert für den Zehenbereich. Mehr als 15 mm sollten es nicht werden, das sind schon mehr als zwei Schuhgrößen. Ist ein Schuh viel zu lang, verliert der Fuß den Halt und dein Kind fängt an, sich mit den Zehen festzuhalten.
Der klassische Daumendruck vorne auf die Schuhspitze ist unzuverlässig. Kinder ziehen beim Anprobieren oft die Zehen zusammen, gerade wenn sie aus zu kleinen Schuhen kommen. Dann tastest du Platz, der beim Laufen nicht da ist. Dazu kommt, dass feste Kappen und dickes Material kaum etwas durchfühlen lassen.
Sicherer ist es, Fuß und Schuh getrennt zu messen: den Fuß im Stehen, den Schuh innen. Bei uns im Laden messen wir die Füße nach und vergleichen das mit dem Schuh, den dein Kind anprobiert.
- Richtwert für neue Schuhe: 9 bis 15 mm Zugabe, je nach Größe.
- Nicht mehr als etwa zwei Größen „auf Zuwachs“ kaufen.
- Den Daumentest nicht als einzige Prüfung nehmen.
- Fuß im Stehen messen, weil er sich unter Last streckt.
Wie oft sollte ich die Füße nachmessen?
Kurz gesagtEtwa alle drei bis vier Monate, bei Kleinkindern gern alle zwei bis drei Monate. Warte nicht, bis dein Kind sich beschwert, denn es merkt Enge oft gar nicht.
Bei Laufanfängern werden die Füße im Schnitt etwa 1,5 mm pro Monat länger, bei älteren Kindern etwa 1 mm. Das klingt wenig, aber nach einem halben Jahr ist bei einem Kleinkind schon mehr als eine Schuhgröße zusammengekommen. Dazu wachsen Kinderfüße in Schüben, nicht gleichmäßig.
Das Deutsche Schuhinstitut und das Elternportal kindergesundheit-info.de raten, etwa alle drei bis vier Monate nachzusehen. Das Portal der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt für kleine Kinder alle zwei bis drei Monate. Wenn dein Kind gerade sichtbar in die Höhe schießt, lohnt sich ein Blick auf die Füße auch zwischendurch.
Warum reicht es nicht, auf dein Kind zu hören? Kinderfüße sind weich und lassen sich zusammendrücken, und das Gespür dafür, ob ein Schuh zu klein ist, ist bei kleinen Kindern noch nicht zuverlässig. Viele stecken klaglos in Schuhen, die längst zu kurz sind.
Hat dein Kind Schmerzen, auffällige Druckstellen, schief stehende Zehen oder läuft es plötzlich anders als sonst, lass das bitte beim Kinderarzt oder in der Kinderorthopädie anschauen. Ein Schuhgeschäft ersetzt keine ärztliche Untersuchung.
- Messtermine grob in den Kalender eintragen, etwa mit jedem Jahreszeitenwechsel.
- Immer beide Füße messen, sie sind oft nicht gleich lang.
- Rote Druckstellen nach dem Ausziehen sind ein Warnsignal.
- Nach einem Wachstumsschub zusätzlich nachmessen.
Warum sind Schuhgrößen nicht gleich Schuhgrößen?
Kurz gesagtWeil jeder Hersteller seine Größen etwas anders umsetzt. Die Zahl auf dem Karton sagt deshalb wenig darüber, wie lang der Schuh innen wirklich ist.
Die in Deutschland übliche Schuhgröße beruht auf dem Pariser Stich, einem alten Längenmaß von zwei Dritteln eines Zentimeters, also rund 6,7 mm. Eine Größe mehr bedeutet damit etwa 6,7 mm mehr Länge.
Das Maß selbst ist eindeutig, die Umsetzung nicht. Welche Innenlänge in einem Schuh mit Größe 28 steckt, hängt von der Form ab, auf der er gebaut wird, und die unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller. Auch das Deutsche Schuhinstitut weist darauf hin, dass Größenangaben variieren können.
Für dich heißt das: Kauf nicht blind nach der Zahl, die dein Kind zuletzt getragen hat. Gerade beim Wechsel zu einem anderen Modell kann dieselbe Größe spürbar kürzer oder länger ausfallen. Fuß messen, Schuh anprobieren, laufen lassen – so findest du die passende Größe.
- Die letzte Größe ist nur ein Anhaltspunkt, keine Garantie.
- Bei neuem Modell oder anderem Hersteller immer neu anprobieren.
- Online-Größentabellen ersetzen keine Anprobe.
Worauf achte ich beim Schuhkauf mit Kind?
Kurz gesagtNimm dein Kind mit, lass es beide Schuhe anprobieren und ein paar Minuten darin laufen. Am besten kommt ihr am Nachmittag.
Der wichtigste Punkt zuerst: Dein Kind gehört zum Schuhkauf dazu. Ohne Fuß lässt sich weder messen noch anprobieren, und ein geratener Schuh ist im Zweifel der falsche. Das spart dir auch den Weg zum Umtauschen.
Plane den Einkauf am Nachmittag ein. Nach einem Tag mit Laufen und Stehen sind die Füße etwas voller als am Morgen. Ein Schuh, der dann gut sitzt, drückt auch abends nicht.
Lass dein Kind vor dem Anprobieren kurz barfuß oder auf Socken laufen. Wer aus zu kleinen Schuhen kommt, hat die Zehen oft noch eingezogen, und das verfälscht den ersten Eindruck. Danach werden immer beide Schuhe angezogen, denn linker und rechter Fuß sind selten exakt gleich.
Dann heißt es: laufen. Ein paar Runden durch den Laden zeigen mehr als jedes Drücken auf die Spitze. Achte darauf, ob die Ferse rutscht, ob dein Kind komisch geht oder ob es an den Schuhen herumzieht. Damit Geschwisterkinder die Zeit gut überstehen, gibt es bei uns eine Mal-Ecke.
- Kind mitnehmen, auch wenn es mühsamer ist.
- Lieber nachmittags als direkt morgens einkaufen.
- Vorher kurz ohne Schuhe laufen lassen.
- Immer beide Schuhe anprobieren.
- Die Socken mitbringen, die zum Schuh getragen werden.
Gummistiefel, Hausschuhe, Winterschuhe – worauf kommt es an?
Kurz gesagtFür alle gilt dieselbe Passform-Regel wie beim Alltagsschuh. Jeder Typ hat dazu eine eigene Schwachstelle, auf die du achten solltest.
Gummistiefel halten Wasser draußen, aber auch Schweiß drinnen. Sie sind für Pfützen, Matsch und Regentage gedacht, nicht für den ganzen Tag im Kindergarten. Ein Stiefel, der sich im Knöchel und an der Sohle etwas biegen lässt, ist angenehmer zu tragen.
Hausschuhe werden gern vergessen. Sie werden einmal gekauft und dann getragen, bis sie auseinanderfallen, obwohl der Fuß längst weitergewachsen ist. Sie müssen genauso passen wie Straßenschuhe, gerade weil Kinder in Kita und Schule viele Stunden darin verbringen. Prüfe sie beim Nachmessen einfach mit.
Winterschuhe bekommen oft dickere Socken und ein Futter, das Platz kostet. Probiere sie deshalb mit den Socken an, die dein Kind im Winter trägt. Wichtig sind eine griffige Sohle für Schnee und Glätte und ein Obermaterial, das warm hält, ohne dass der Fuß darin nass schwitzt.
- Gummistiefel für nasses Wetter, nicht als Dauerschuh.
- Hausschuhe bei jedem Messen mitprüfen.
- Winterschuhe mit dicken Socken anprobieren.
- Auf rutschfeste Sohlen für Eis und Schnee achten.
Häufige Fragen
Wie viel größer sollte ein neuer Kinderschuh sein?
Innen etwa 9 bis 15 mm länger als der Fuß, je nach Größe. Mehr als etwa zwei Schuhgrößen Luft sollten es nicht sein, sonst fehlt der Halt.
Wie oft sollte ich die Füße meines Kindes messen lassen?
Etwa alle drei bis vier Monate, bei Kleinkindern gern alle zwei bis drei Monate. Kinderfüße wachsen in Schüben, und Kinder merken zu kleine Schuhe oft nicht.
Kann ich einfach die gleiche Größe wie beim letzten Mal kaufen?
Besser nicht. Größen fallen je nach Hersteller unterschiedlich aus, und der Fuß ist seit dem letzten Kauf vermutlich gewachsen. Messen und anprobieren ist sicherer.
Ab wann braucht mein Kind richtige Schuhe?
Wenn es mehrere Schritte frei läuft und draußen unterwegs sein will. Bis dahin ist barfuß laufen das beste Training für die Füße.
Mein Kind hat Schmerzen in den Füßen. Könnt ihr helfen?
Bei Schmerzen, Druckstellen oder auffälligen Zehen geh bitte zuerst zum Kinderarzt oder in die Kinderorthopädie. Danach helfen wir dir, den passenden Schuh zu finden.
Quellen
Zahlen und Empfehlungen in diesem Ratgeber stützen sich auf diese Quellen:
- Deutsches Schuhinstitut: Kinderfüße – so bleiben sie gesund (Eltern-Info, PDF)Längenzugabe 9–15 mm größenabhängig, 15 mm sind mehr als zwei Schuhgrößen; Größenangaben können je Hersteller variieren; Füße alle 3–4 Monate nachmessen; Schuhe erst, wenn das Kind mehrere Schritte frei läuft; kleine Kinder können oft nicht verlässlich sagen, ob Schuhe passen.
- kindergesundheit-info.de: Sichere KinderkleidungMindestens 12 mm Spielraum im Zehenbereich; etwa alle drei bis vier Monate kontrollieren; so oft wie möglich barfuß; Klettverschluss statt Schnürsenkel; rutschfeste Sohlen.
- Kinderärzte im Netz (BVKJ): Kleine Kinder gut zu FußSchuhe erst, wenn das Kind draußen auf eigenen Beinen unterwegs sein möchte; alle zwei bis drei Monate prüfen; Kinderfüße lassen sich in zu kleine Schuhe zwängen; Schuhe am Nachmittag anprobieren; Schuhe weich und biegsam.
- AOK Magazin: Gesunde Füße bei Kindern – das ist zu beachtenFüße von Laufanfängern wachsen etwa 1,5 mm pro Monat, bei älteren Kindern etwa 1 mm; Schuhe nachmittags kaufen; Kinder können Passform nicht zuverlässig beurteilen.
- IFP Familienhandbuch: Tipps für den KinderschuhkaufKinder spüren nicht, dass Schuhe zu kurz sind; Daumentest und aufgedruckte Größe sind unzuverlässig; auch Hausschuhe sind häufig zu kurz.
- Wikipedia: Pariser StichEin Pariser Stich entspricht zwei Dritteln eines Zentimeters (ca. 6,67 mm) und ist die Grundlage der kontinentaleuropäischen Schuhgrößen.
Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Hat dein Kind Schmerzen oder fällt dir etwas an den Füßen auf, sprich mit der Kinderarztpraxis.